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SCHöN + GUT

Ich habe eine Brille, aber keine eckigen Augen. Vom Fernsehen kann’s also nicht kommen, Mama.

Ich spreche mit Menschen aus dem schicken Geschäft: Mit Designern und Künstlern, mit Schriftstellern und Schauspielern. Welche Farbe ist das neue Schwarz? Keine Ahnung – ich frag mal nach. Bei James Frey, der sich nach dem Skandal um sein Buch in Frankreich verkroch, oder bei John, einem Türsteher auf der New York Fashion Week.

Neben Interviews und Geschichten rund um diese Persönlichkeiten schreibe ich auch Reportagen, Features und Essays, die zu einem Blick über den Tellerrand verleiten. So gehe ich etwa den Fragen nach, woher eigentlich die tiefhängenden Hosen kommen, wie viele Ausdrucksformen eine Schriftstellerin für den Zorn findet und wo die Kunstfreiheit ihre Grenzen hat.

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Verfallende Schönheit

Was der Fotograf Matt Lambros an - und in - alten US-Kinopaläste findet.

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Verfallende Schönheit: Kinopaläste in den USA

Matt Lambros fotografiert grandiose Filmpaläste in den USA - rund 40 Jahre nach ihrer letzten Vorstellung.

Fotografischer Nachruf - so beschreibt Matt Lambros seine Arbeit. Leichen bekommt er aber nicht zu sehen: Der New Yorker Fotograf besucht verlassene Prunkbauten. Für sein Fotoprojekt und den gleichnamigen Blog "After The Final Curtain" hat sich Lambros zum Ziel gesetzt, sämtliche geschlossenen Kinopaläste in den USA zu fotografieren - von innen.

40 Jahre nach dem letzten Vorhang

"Meistens braucht es viele, viele Telefonanrufe", sagt Matt Lambros. Der Fotograf hängt oft monatelang an der Strippe, bis er den richtigen Ansprechpartner für ein verlassenes Kino findet - und bohrt dann weiter, bis er die Erlaubnis bekommt, dort zu fotografieren. Dann eröffnet sich ihm eine düstere Welt voller Staub und Glitzerträume.

Einst waren die USA Vorreiter der Kinowelle, sie bauten regelrechte Paläste, in denen mehrere Tausend Zuschauer auf die flimmernde Leinwand schauten - umgeben von einem Prunk, der auch einer Staatsoper gut zu Gesicht stünde. Doch die Zeiten änderten sich: Mit dem Aufstieg der Multiplex-Kinos konnten die alten Filmpaläste ihre Klappstuhlreihen nicht mehr füllen.

"Es gab Kinos, die sechs verschiedene Filme zeigen - und diese Kinopaläste, die nur einen Film zeigen können", erklärt Lambros. Diejenigen, die nicht abgerissen oder zu Multiplex-Kinos umgebaut wurden, hatten ihre letzte Vorstellung zumeist in den 70er Jahren. Manche wurden für eine Weile lang von Theatergruppen oder als Schmuddelkino genutzt, andere wurden zu Kirchensälen - doch viele rotten einfach langsam vor sich hin. Den verblichenen Glanz fängt Lambros mit der Kamera ein.

Verblichener Glanz: Mezzanin und Vestibül

Dabei geht er akribisch vor: Aus Websites, Datenbanken und alten Büchern hat er mehrere Aktenordner mit Tabellen zusammengestellt. "Es gibt nur einen Bundesstaat, in dem ich kein Kino fand, aber für alle anderen habe ich mindestens fünf, die ich erkunden will."

In manchen dieser Filmpaläste sind die Vorhänge buchstäblich gefallen, bei anderen staubt noch ein alter Projektor vor sich hin. Und die Bauweise spricht Bände davon, in welche Traumwelt die Menschen hier einst eintauchten: Immer gibt es einen grandiosen Eingangsbereich, der den Begriff "Vestibül" adelt, und von dort kann man hinauf ins Mezzanin, wo früher die Leute zu ihren Balkonplätzen wandelten oder mit einem Eis in der Hand dem Treiben zuschauten. Manchmal findet Lambros hier noch einen samtenen Diwan, der vergeblich auf einen müden Hintern wartet.

Blattgold, Löwen und Einmachgläser

45 alte Kinopaläste hat Lambros bisher fotografiert, unzählige Bilder spuken durch seinen Kopf. Eines geht ihm mehr aus dem Sinn: Einmachgläser. Und das liegt an seiner Oma. Sie tat sich nicht als Marmeladeköchin bei den Enkeln hervor, sondern mit ihrer Neugier. Wo auch immer eine verlassene Scheune auftauchte, hielt die Dame an, um mit den Vorschulkindern auf Entdeckungsreise zu gehen.

"Einmal stießen wir hinter einem verlassenen Bauernhaus auf etwas, das wohl einmal ein alter Vorratskeller gewesen sein muss: Dort standen noch alte Einmachgläser auf einem Regal", erzählt Lambros. "Seitdem bin ich fasziniert von der Frage, was wohl in alten, verfallenden Gebäuden zu finden sein könnte."

Als Jugendlicher stieg Lambros von Bauernhäusern auf Krankenhäuser um, dann auf Lichtspielhäuser. Wenn er heute durch verlassene Kinos streift, findet er zwar keine seltsamen Gläser - aber Löwen, Kistalllüster oder Logenplätze. "Ich habe ja zuerst alte Krankenhäuser fotografiert, die waren von außen richtig cool, aber von innen recht langweilig. Die Kinos hingegen sind majestätische Gebäude. Ich mag die Architektur, das Design, es gibt so viele Details - überall!"

 

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