petrina.tv
schoen_und_gut

SCHöN + GUT

Ich habe eine Brille, aber keine eckigen Augen. Vom Fernsehen kann’s also nicht kommen, Mama.

Ich spreche mit Menschen aus dem schicken Geschäft: Mit Designern und Künstlern, mit Schriftstellern und Schauspielern. Welche Farbe ist das neue Schwarz? Keine Ahnung – ich frag mal nach. Bei James Frey, der sich nach dem Skandal um sein Buch in Frankreich verkroch, oder bei John, einem Türsteher auf der New York Fashion Week.

Neben Interviews und Geschichten rund um diese Persönlichkeiten schreibe ich auch Reportagen, Features und Essays, die zu einem Blick über den Tellerrand verleiten. So gehe ich etwa den Fragen nach, woher eigentlich die tiefhängenden Hosen kommen, wie viele Ausdrucksformen eine Schriftstellerin für den Zorn findet und wo die Kunstfreiheit ihre Grenzen hat.

Ein Klick auf den jeweiligen Titel, und es gibt etwas zu lesen. Unten!

Total von der Rolle

Feature über Alternativen zum Trolley.

Financial Times Deutschland | 06.2010

Luxuslust

Was Designer mit Sexspielzeug anstellen.

kinki | 07.2009

Die rettende Robeninsel?

Reportage über Hochzeitsmode in Duisburg-Marxloh.

Heimatdesign | 12.2008

MEHR MUSTERSTÜCKE

Total von der Rolle

Weil die notorischen Rollkoffer so ungemein praktisch sind, ist kaum noch ein Flugreisender ohne Trolley unterwegs. Dabei sind Gepäckstücke ohne Räder viel schicker.

Erst mal muss man neidlos anerkennen: Der Siegeszug des Rollkoffers ist schon beeindruckend. Wie sich diese im Grunde ja banale Erfindung durchgesetzt und alle anderen Gepäckmodelle in die Bedeutungslosigkeit verdrängt hat - das hat schon was Revolutionäres. Trotzdem ist die Situation am Flughafen-Check-in unbefriedigend. Wenn Krethi und Plethi einen schwarzen Hackenporsche hinter sich herziehen, wie setzt man sich dann von der breiten Masse ab? Die Antwort liegt auf der Hand: Indem man sich dem Fortschritt verweigert.

Richtig schick wird's am Gepäckband nämlich erst, wenn man auf Rollen unterm Koffer verzichtet und stattdessen auf klassische Modelle setzt. Welche zum schleppen. Man muss nur wissen, wo man so was noch kriegt. In den meisten Geschäften sind radlose Taschen ja quasi ausgestorben.

Außergewöhnlich sind zum Beispiel die Kreationen von Globe-Trotter. Seit 1897 lässt der britische Koffermacher - nicht zu verwechseln mit dem beinah gleichnamigen Outdoor-Ausrüster - Reisegepäck von Hand herstellen. Das Design dieser Koffer überlebt Jahrhunderte: Ihre Ecken sind mit Leder, Metall oder Holz verstärkt, das Innenfutter ist aus feinem Tuch. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Kinoschmonzette "Titanic", die Szene, in der Kate Winslet mit einem riesigen Gepäckberg an der Kaimauer ankommt - ungefähr so sieht man mit Globe-Trotter-Koffern aus. Wer es gern schriller mag, kriegt sie mittlerweile sogar in leuchtenden Farben, etwa in Schlumpfblau.

Bedenken sollte man mit solchen Old-School-Taschen - eine kostet so um die 800 £ - allerdings die Wahl des Verkehrsmittels. Wenn man nicht per Privatjet unterwegs ist, sondern Linie fliegt, kann man davon ausgehen, dass die Männer auf dem Rollfeld dem Gepäck keine Vorzugsbehandlung zukommen lassen, nur weil es teuer aussieht. Der Koffer wird also genauso aufs Transportband geworfen und über den Boden geschleift wie alle anderen auch. Da kann es passieren, dass er nach einer einzigen Reise schon aussieht wie ein echtes Erbstück.

Wer also Kratzer im Leder ähnlich schwer nimmt wie die erste Macke am Neuwagen, sollte sich das empfindliche Stück lieber für Fahrten mit dem Auto aufheben. Und bei allem, was eingecheckt werden muss, auf robustes Material setzen. Rimowa zum Beispiel - das sind diese welligen Aluminiumkoffer, die man am Flughafen oft auch in Trolleyform sieht - bietet auch Modelle ohne Rollen an.

Reisetaschen von The Bridge aus gegerbtem Rindsleder wiederum sind weniger unverwüstlich; dafür sehen sie mit ihrer etwas knittrigen Oberfläche ohnehin so aus, als wäre schon Steve McQueen mit ihnen auf Reisen gewesen. Die eine oder andere zusätzliche Macke fällt da gar nicht mehr so ins Gewicht.

Dasselbe gilt übrigens auch für den Seesack "Gibraltar" vom Stuttgarter Label Übersee. Dieser ist aus recyceltem Segeltuch gefertigt, er wiegt nur 900 Gramm und fasst 79 Liter - genug für eine komplette Reisegarderobe. Ein solcher Sack verzeiht einen derben Umgang, das Material ist schließlich raue Winde gewohnt. Praktischerweise sind daran Gurte angebracht, sodass man den Seesack auf dem Rücken tragen kann. Ein Gepäckwägelchen tut es aber sicher auch.

Wer es generell eher makellos mag, der kann vielleicht mit Kleinkram Akzente setzen. Gerade Handgepäck hat ja heutzutage weitgehend Trolleyformat - was gleich doppelt Quatsch ist, denn wozu zieht man ein winziges Köfferchen auf Rollen hinter sich her, wenn man es spielend leicht auch am Griff tragen könnte? Um alle Kabinengepäckinhaber neidisch werden zu lassen, greifen Sie zu einer Sporttasche aus italienischem Leder. Ein Blickfang ist zum Beispiel die Kollektion "Commemorative Motorsport" von Caracalla Bagaglio: Sie spielt mit den Farben und Aufschriften längst vergangener Autorennen. Das Nummernfeld können Sie individuell gestalten, zum Beispiel mit Monogramm.

Bevor Sie nun die nächste Auslandsreise mit einem Reisebegleiter aus Segeltuch oder handgenähtem Leder antreten, sollten Sie aber eines bedenken: Was keine Räder hat, müssen Sie selber schleppen. Es sei denn, Sie haben - wie Kate Winslet in "Titanic" - entsprechendes Personal. Sollten Sie feststellen, dass Sie sich beim Kauf verhoben haben: In einem großen Koffer lassen sich zu Hause schön Winterklamotten verstauen. Und einem Büro gibt er als Coffeetable den gewissen Kolonialherrentouch.

 

NACH OBEN!