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KOPF+ZAHL

Die Wissenschaft hat festgestellt ... es gibt Wichtigeres als Geld.

Im Interview mit einem Glücksforscher finde ich heraus: Geld macht glücklich. Aber nur, bis ein gewisser Wohlstand erreicht ist. Von einem Werbeguru lasse ich mir erklären, wofür wir dieses Geld dann aus welchem Grund wieder ausgeben.

Ich spreche mit Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft - und schreibe darüber, wo die Made den Speck zu finden glaubt (und wem er gehört). In Porträts und Features taste ich mich an Karrierewegen entlang, suche Ideen und finde Fallen.

Ein Klick auf den jeweiligen Titel, und es gibt etwas zu lesen. Unten!

Was macht eigentlich eine Mülldesignerin?

Was Ingenieure von der Umweltkünstlerin Katell Gélébart lernen können.

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Was macht eigentlich eine Mülldesignern, Frau Gélébart?

Kleider, Schreibwaren und Kleinmöbel macht Katell Gélébart - aus Müll. Aus ihrer Vorgehensweise können Ingenieure ein ganz neues Arbeiten lernen.

Das Material ist die Botschaft, sagt Katell Gélébart. Dabei dient ihr als Material, was andere ausgemustert haben - von Armeedecken bis Zementsäcken. Daraus macht Gélébart Neues: Damenkleider aus grünen Postsäcken, Stoffrest-Schuhe mit Reifensohlen, Notizbücher aus Röntgenbildern, Schals aus alten Teddybären, Lampen aus Jalousien, Schürzen aus Tetrapacks.

1998 hat sie dazu das Label "Art d'Eco" gegründet, und als Katell Gélébart ihren Satz über das Material sagt, denkt sie nicht an technische Schwierigkeiten, sondern an Wahrnehmung: "Die Leute sehen: Wow, diese Jacke war mal eine Decke! Oder ein Segel! Wegen dieser Botschaft kaufen sie es. Da spricht sie nicht das Design an, sondern das Material."

Inwischen hat Gélébart ihren Ruf als Mülldesignerin und Umweltkünstlerin weg, den Kairos-Preis der Töpfer-Stiftung in der Tasche und - mit 39 Jahren - eine Biografie im Buchregal. Wie eine Nomadin streift sie durch die Welt, mal spannt sie in Indien traditionelle Handwerker für ihre Ideen ein, mal diskutiert sie in einem Residenzprogramm mit Künstlern. Nur eines hat sie noch nie getan: Einen Ingenieur um Rat gefragt. "Ich bin Autodidaktin, und ich glaube, deshalb kann ich in meiner Materialnutzung auch so breit und offen sein", sagt sie.

Ein Ingenieur mit seinem ganzen Wissen darüber, was man normalerweise zu welchem Zweck einsetzt, würde sie womöglich bremsen. Oder er würde einfach über Gélébarts einzige Grenze staunen: "Es muss etwas sein, das ich mit einer Nähmaschine durchstechen kann. Wenn ich es nicht nähen kann, interessiert mich das Material nicht." Sie benutze weder Kleber oder andere Hilfsmittel, auch nicht für die Lampenserie aus Aluminium-Jalousien - die sind allerdings von Hand genäht.

Klingt dilettantisch? Im Gegenteil. Ingenieure können viel von Katell Gélébart lernen. Beziehungsweise verlernen. "Verlernt, was ihr gelernt habt" ist in ihren Workshops das erste Gebot. Statt vom fertigen Produkt auszugehen und dann Materialart und -menge zu berechnen, soll man den Prozess von der anderen Seite beginnen.

Zum Beispiel berechnen Modedesigner normalerweise zuerst, wie viel Stoff sie für eine Kleideridee brauchen. Gélébart hingegen gibt ihnen einen Postsack mit fester Breite und Länge und einem Aufdruck in bestimmter Laufrichtung. "Aus diesen Rahmenbedingungen musst du ein Kleid machen. Der Prozess läuft also genau andersherum. Ingenieuren würde ich denselben Rat geben: Schaut, was um euch herum vorhanden ist, wie ihr es wiederverwerten oder ihm eine neue Bedeutung geben könnt." Das Material ist die Botschaft. Sagt sie doch.

 

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