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KOPF+ZAHL

Die Wissenschaft hat festgestellt ... es gibt Wichtigeres als Geld.

Im Interview mit einem Glücksforscher finde ich heraus: Geld macht glücklich. Aber nur, bis ein gewisser Wohlstand erreicht ist. Von einem Werbeguru lasse ich mir erklären, wofür wir dieses Geld dann aus welchem Grund wieder ausgeben.

Ich spreche mit Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft - und schreibe darüber, wo die Made den Speck zu finden glaubt (und wem er gehört). In Porträts und Features taste ich mich an Karrierewegen entlang, suche Ideen und finde Fallen.

Ein Klick auf den jeweiligen Titel, und es gibt etwas zu lesen. Unten!

Ab in die Meisterklasse

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Ab in die Meisterklasse

Genialität ist neuerdings auch für Normalsterbliche greifbar. Zahlreiche wissenschaftliche Studien stellen infrage, dass großes Talent angeboren ist. Mehr noch: Sie geben Aufschluss darüber, wie man richtig gut werden kann. Allerdings hat die Sache auch einen Haken.

Der eine kann in Windeseile aus jeder beliebigen Zahl die Wurzel ziehen, der andere zieht sie beonders geschickt aus anderer Leute Kiefer, und ein dritter aus der Erde seines Frühbeetes - und vor all diesen Fähigkeiten ziehen wir den Hut. Der hat Talent, sagen wir dann. Und denken insgeheim: So etwas könnte ich nie. Falsch. Die gute Nachricht ist: Talent fällt nicht vom Himmel. Man kann in so gut wie allem außerordentlich gut werden. Die schlechte Nachricht ist: Talent fällt nicht vom Himmel. Es macht verdammt viel Arbeit.

Ob es nun Fußball, Quantenphysik oder Taschendiebstahl sein soll: 10.000 Stunden - über den Daumen gepeilt zehn Jahre - braucht es, um richtig gut zu werden. Perfide: Dabei muss man sich Aufgaben suchen, die ein kleines bisschen über dem liegen, was man kann. Stupide, endlose Wiederholungen führen zu gar nichts. In ganz bewusst durchgeführten Übungen mit klarem Ziel kann man die Abläufe zerlegen, extrem verlangsamen oder beschleunigen.

Damit nicht genug: Man muss Fehler machen. Und zwar eine ganze Menge. Die große Kunst ist nicht, ein angeborenes Talent zu erkennen. Sondern den Frust auszuhalten, wenn man Fehler macht, und sich immer wieder zu korrigieren. So gesehen zeigen Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" im Zeitraffer, wie es läuft.

Und die Sendung zeigt auch, womit es anfängt: Die Wettbewerbsteilnehmer wollen unbedingt große Sänger werden. Das allein reicht nicht, aber ohne das geht es auch nicht. Die meisten Meister, so zeigen mehrere Studien, haben sowohl Vorbilder als auch eine tiefe Begeisterung für das, was sie tun. Gehirnforscher sagen, es sei keine Zeitverschwendung, wenn etwa Schachspieler stundenlang komplette Spielverläufe von Profis nachstellen. Sie lernen dabei.

Auch Wissenschaftler träumen von der genialen Entdeckung. Anders Ericsson machte vor rund zwei Jahren Furore, obwohl er im Grunde genommen gar nichts entdeckt hat; er schaute nur genauer hin, was dieser seltsame Stoff, der seit Jahren auf Bildern menschlicher Gehirne zu sehen ist, eigentlich bewirkt. Und bewirkte damit eine Revolution im Denken. Denn seine Erkenntnisse über Myelin (s. Infokasten) und Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zeigen, dass Lernen anders funktioniert als bisher gedacht: Mit aktivem Lernen verfestigen sich die Lerninhalte nicht nur, der Denkprozess wird auch immer schneller und automatisiert sich. Deshalb können viele Supertalente nicht erklären, wie sie eigentlich tun, was sie da tun. Mit Magie hat das trotzdem nichts zu tun.

Auch nicht mit Genetik: Wären menschliche Fähigkeiten von vornherein festgelegt, könnte man vielleicht erklären, warum jemand gut Äpfel pflücken kann - aber kaum, wie er es schafft, ein iPhone zu hacken. Vorteilhaft ist ein Umfeld, das einen moralisch unterstützt. Vor allem aber muss man selbst daran glauben, dass man es schaffen kann. Wer also nach einem Versuch der Ansicht ist, er sei eben nicht geschaffen zum Rudern, Rechnen oder Romane schreiben, der hat schlicht die falsche Einstellung. Oder ein Gebiet gewählt, das er nicht genug liebt.

Myelin

Die Neuronenmembran umhüllt Nervenzellen, sobald sie etwas Neues lernen. Wie eine Isolierungsschicht legt sich Myelin um die Nervenbahnen, so dass sich das Signal verstärkt und beschleunigt. Jedes Mal, wenn man dasselbe übt, legt sich eine weitere Schicht dazu. Und je dicker die Myelinmasse wird, desto schneller und genauer werden Gedankengänge und Bewegungsabläufe.

Das zusammen mit diesem Text veröffentlichte Interview mit Daniel Coyle zum Thema finden Sie hier.

in der Onlinefassung von karriereführer hochschulen 2/2009 finden Sie beide Texte ab S. 16.

 

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